Donnerstag, 17. August 2017

Blaue Wiese im Wellengang



Der Sonnendruck-Sommer hat Halbzeit, die blaue Welle schwappt durchs Land. Mindestens vier Stöffchen sollten bei allen Teilnehmerinnen angekommen sein. Bei Tabea und mir kommt ja seltsamerweise immer viel mehr Post an. Vielen Lieben Dank, dass ihr euch auf dieses Experiment eingelassen habt.
Der Sommer zeigt sich in diesen Wochen ja nicht immer von seiner besten Seite, was die Sonnendruck-Experimente erschwert und sicher die eine oder andere Verspätung entschuldigt. Der Faktor Wetter spielt zum ersten Mal so eine entscheidende Rolle und auch das ist eine spannende Erfahrung. Überhaupt strotzen alle Berichte, die ihr in der stetig wachsenden Liste verlinkt habt von spannenden Erfahrungen mit den unterschiedlichen Techniken. Wir denken ja bei jeder Aktion, dass es sich nicht mehr steigern lässt und das nun die allerbeste von allen war, aber es wird jedes Mal nochmal besser, unglaublich.


Besonders schön sind immer die Geschichten hinter den Erfahrungen. Viele davon werden auf den Blogs erzählt, aber nicht alle Teilnehmerinnen sind Blogger. Andie ist ganz aktiv auf Instagram, hat aber keinen Blog. Deshalb hat sie ihrer Gruppe diesen analogen Blogbeitrag beigelegt, den wir hier mit ihrer Erlaubnis veröffentlichen. Ich habe so gelacht, als ich mir die Damen auf der blauen Wiese vorgestellt habe.

Andie macht so unglaublich feine Stempel (sogar unsere Sommerpost-Marke hat sie als Stempel geschnitzt) und mit der gleichen Hingabe hat sie sich der Sommerpost gewidmet. Aber lest einfach selber, was sie schreibt (jetzt nicht mehr ganz un-virtuell)...




Liebe Sommerpost-Gruppe-1-Damen,

nachdem ich ja keine Bloggerin bin, schicke ich Euch zum Sommerstöffchen quasi einen kleinen snailmail-Blogeintag mit. Ganz einmalig und vollständig un-virtuell.

Vom Thema Sonnendruck der diesjährigen Sommerpost war ich von Sekunde eins an begeistert - komplettes Neuland für mich, klang aber sehr spannend. Stoff hat's reichlich im Hause, allerhand wasserlösliche Farben und Stoffdruckfarben sowieso und das Wetter war grad außer sonnig und heiß nur wolkenlos und noch heißer. Perfekte Bedingungen, so schien mir. Ich hab getestet. Und geschwitzt. Raus in den Garten, Tisch in die Wiese, damit die Terrasse nicht blau wird, rein ins Haus, Stoffe zurechtschneiden, Schablonen suchen, selber schneiden...
Stoffe schneiden war kein Problem, die hinterher blaue Wiese eigentlich auch nicht (hat nicht jeder!) und die ersten Versuche mit Sonnendruck und schon vorhandenen Schablonen überaus vielversprechend. Der Sog war da. Die Sucht im Rollen und die Ansteckungsgefahr groß. Die Nachbarinnen waren gegen Abend ganz aus dem Häuschen, bewunderten meine Stoffstückchen, die des hübschen Anblicks wegen auf der Leine quer durch den Garten hingen, hockten sich mit Prosecco auf meine blaue Wiese, tranken selbigen aus blauen Gläsern und blieben. Bis spät in die Nacht.

Dann waren Inkodye-Versuche dran. Und später auch noch Cyanotypie. Alles sehr interessant, alles nicht schlecht, aber mit sehr unterschiedlichen Ergebnissen. Mal blau, mal richtig blau, mal weniger blau. Und bei der Cyanotypie auch mal fleckiges Blau. Schwierigkeit eins: Die Dauer der Belichtung. Es macht einen Mörderunterschied, ob es wolkenlos und 12 Uhr mittags ist, oder schon 16.35 Uhr und sich vielleicht ein Wölkchen zwischen Sonne und Stoff schiebt. Schwierigkeit zwei: Das geeignete "Dings" zum Auflegen auf den Stoff. Pflanzendrucke funktionieren fast mit Erfolgsgarantie - mein Favorit ist der Farn vom Nachbarn. Der liegt flach auf - also der Farn, nicht der Nachbar - bedeckt den Stoff vernünftig, hält das Licht ab und gut isses. Je mehr die Pflanze in die dritte Dimension geht, desto unsicherer wird das Ergebnis. Merke: Wassermelone taugt nicht!
Auch mit Folien hab ich gehadert. 25 mal 25 Zentimeter kann ich mit meinem Drucker nicht bedienen, also habe ich aus meinen geschnitzten Stempelchen ein Mandala auf ein großes Stück Folie gestempelt. Aber die Stempelfarbe (schwarze Rangers Archival Ink) ließ zu viel Licht durch, ein enttäuschendes Ergebnis. Ich hatte doch etwas knackig Blaues mit weißem Muster erwartet. Das Ergebnis war eher dunkelblau mit nicht ganz so dunkelblauem Mandala. Da muss man schon sehr genau hinsehen, wenn man da was erkennen will. Kurioserweise wird das Mandala wieder besser sichtbar, wenn der Stoff nass ist. Ich hab das mehrmals getestet mittlerweile, sobald der Stoff trocknet, ist das Muster fast unsichtbar und nass kann man es ganz gut erkennen. Irgendwie mysteriös und eventuell hab ich da eine Knallergeheimschriftmethode entdeckt. Sollte jemand von Euch dieses chemische Geheimnis erklären können, bitte gerne. Lasst es mich wissen. Ich wär sehr gespannt.
Kurzum - mit Inkodye und Cyanotypie brauche ich noch mehr Versuche und experimentelle Erfahrungswerte. Für mich fast interessanter waren meine Sonnendruckereien. Ich habe mich langsam an einen Mehrfach-Sonnendruck herangearbeitet. Viel Wasser, wenig Pigmente - in mehreren Arbeitsgängen. Die Wellen und Blumen sind selbstgeschnittene Schablonen. Und dann Schicht für Schicht. Erster Wellengang, bügeln und fixieren, zweiter Wellengang, bügeln und fixieren... zum Schluss die Blumenschablone.

Jeder Stoff ist ein bissl anders geworden, mal mehr blau, mal mehr türkis -
ich hoffe, Ihr mögt, was ich Euch schicke. Ich hatte jedenfalls eine große Freude beim Gestalten.
Meine Wiese ist noch immer blau. Und noch immer schaut jemand zur blauen Stunde auf der blauen Wiese auf ein Gläschen Prosecco vorbei...

Kippis, die Damen und einen schönen Sommer für Euch!


Andie







Und das hier ist Andies Stoff in der ganzen Pracht:



Allen, die noch an ihren Sonnendrucken arbeiten wünsche ich sonnige August-Tage und wunderschöne blaue Stoffe!
Michaela

Kommentare:

  1. Sehr schöner Bericht, tolle Nachbarschaft, und das Stöffchen, ein absoluter Traum. Salut! Elvira

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  2. Hab keinerlei Erklärung - aber ein großes Schmunzeln im Gesicht.

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  3. Wunderschön sind die Wellen in den verschiedenen Blautönen - ein richtig erfrischendes Stöffchen!
    Ulrike

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  4. ein herrlicher bericht, liebe andie!! ich hab so über den (nicht-)flachgelegten nachbarn gelacht! toll, was du so alles ausprobiert hast. offensichtlich hattet ihr im süden doch wesentlich mehr sonne als wir hier. ich bleibe jetzt bei meiner seidenmalfarbe, weil ich nach diversen versuchen jetzt endlich weiß, wie es geht (danke an angelika und ulrike!!) und meine neuen ergebnisse gut geworden sind. jetzt fehlt allerdings gerade mal wieder die sonne...
    vielen dank für deinen bericht, der sehr viel freude gemacht hat. und erst recht dein stöffchen, das ich wirklich genial finde!
    liebe grüße mano

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  5. Welch eine gute Idee, in mehreren Durchgängen Wellen zu erzeugen. DANKE für den schönen Bericht. Offensichtlich hat jede Technik ihre Tücken, aber auch jede Teilnehmerin einen Favoriten gefunden. Das ist doch auch schon ein toller Erfolg.
    Liebe Grüße
    ela

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  6. Ich war glücklich den schönen Wellenbriefzu mit in den Urlaub genommen zu haben, so hatte ich auch in der vergangenen Woche pünktlich Sommerpost. Wunderwunderschöne... Und ganz ehrlich, unter deinen Nachbarn wäre ich gern gewesen, mit blauem Sektglas auf der Wiese, liebe Andie ;-). Das hat so etwas Atmosphärisches, das einem immer bleibt, wenn man ans Sonnendrucken zurück denkt. Liebe Grüße und danke, liebe Michaela, dass du Andies fröhliche Geschichte hier veröffentlicht hast! Ghislana, zurück und doch noch nicht, wie immer, wenn ich weg war...

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